Geschichte auf die Schnelle erklärt

Wie alles entstand

Durch die lange Tradition als Hafenstadt wirkten Bremer Kaufleute seit jeher als Fernkaufleute. Im Jahre 1358 trat Bremen der Hanse bei und errang Bedeutung als Wirtschaftsmetropole des Nordwestens. Davon geblieben ist noch heute der Name Freie Hansestadt Bremen. Übrigens, schon damals waren Bremer Biere weit über die Stadtgrenzen hinaus in ganz Nordwesteuropa verbreitet - und beliebt.
Die eigene Handelsflotte Bremens gehörte ebenso zu den Kennzeichen einer Hafenstadt wie zahlreiche hier ansässige Schiffbaubetriebe und Reedereien. Klangvolle Namen wie "Norddeutscher Lloyd“ und DDG „Hansa“, künden von der hiesigen Schiffahrtstradition.
Ein Überbleibsel aus alten Zeiten ist die alljährlich am zweiten Freitag im Februar stattfindende Schaffermahlzeit für Kaufleute, Kapitäne, die der Stiftung angehören sowie deren Gäste.

Die Zeremonie

Seit Jahrhunderten hat sich an den Regeln während der Schaffermahlzeit wenig geändert. Frauen in langen schwarzen Abendkleidern sowie Männer im Frack und Kapitäne in Uniform nehmen in der oberen Rathaushalle an dem Mahl teil. Auswärtige Gäste, vielfach Geschäftspartner, dürfen nur ein einziges Mal in ihrem Leben teilnehmen, weshalb eine Einladung als große Ehre gilt. Beim Einlass der Teilnehmer vom Festsaal des Neuen Rathauses in die Obere Rathaushalle des Alten Rathauses beginnt bei Öffnung der Tür das Hanseatische Salonorchester mit dem "Einzug der Gäste" aus der Oper "Tannhäuser" von Richard Wagner.

Eröffnet wird das Mahl mit dem Ruf: "Schaffen, schaffen unnen un boven - unnen un boven schaffen!" durch den Verwaltenden Vorsteher des Haus Seefahrt. Die Mahlzeit läuft nach einem festen Ritus ab, der auch vor menschlichen Bedürfnissen nicht halt macht.

Nach dem Abtragen der Suppenteller steht für die weiteren Gänge nur ein Bestecksatz zur Verfügung. Messer und Gabel werden dann mit den an jedem Platz bereitliegenden Löschblättern gereinigt.

Weitere feste Regeln:
Nach jeder großen und besonders wichtigen Rede erschallt es aus den Kehlen der Anwesenden: "Hepp, hepp, hepp - hurra!" Es wird nicht geklatscht.
Reden und Festessen finden bis 19.30 Uhr statt.
Danach beginnt der Seefahrtball - mit Frauen und Tanz.
Beendet wird das Fest pünktlich um 21.45 Uhr.

Das Essen

Anfangs war die Schaffermahlzeit ein einfaches Stockfisch-Essen. Heute lassen sich die Damen und Herren an den geschmückten Tischen nieder, und erwarten neben einer Reihe tiefgründiger und dabei keineswegs humorloser Reden ein Festessen, dessen einzelne Gänge in unumstößlicher Reihenfolge aufgetragen werden.
Der genaue Ablauf:

  • 1. Gang: Bremer Hühnersuppe
  • Erste Rede des ersten Schaffers (Willkommensgruß)
  • Erste Rede des zweiten Schaffers
  • 3. Strophe des Deutschlandliedes
  • 2. Gang: Stockfisch, Senfsauce, Salzkartoffeln
  • Erste Rede des dritten Schaffers
  • 3. Gang: Seefahrtsbier. Es ist dickflüssig, süß und alkoholfrei! Es wird ausschließlich für das Schaffermahlzeit gebraut    und aus einem Silberhumpen getrunken. Angeblich haben früher die Seefahrer mit dem Getränk Skorbut bekämpft.
  • Zweite Rede des ersten Schaffers
  • 4. Gang: Braunkohl, Pinkel, Rauchfleisch, Maronen, Bratkartoffeln
  • Zweite Rede des zweiten Schaffers
  • Sammelrede des Verwaltenden Vorstehers - Sammlung für "Haus Seefahrt"
  • 5. Gang: Kalbsbraten, Selleriesalat, Katharinenpflaumen, gedämpfte Äpfel
  • Rede des Kapitänsschaffers
  • Zweite Rede des dritten Schaffers
  • Dritte Rede des ersten Schaffers
  • Dankrede des Verwaltenden Vorstehers
  • 6. Gang: Rigaer Butt, Sardellen, Wurst, Zunge, Chester- und Rahmkäse, Fruchtkorb
  • Damenrede eines Kapitäns
  • Rede des Ehrengastes
  • Tonpfeifen und Tabak
  • Kaffee/Mokkatl_files/schaffermahlzeit/images/Tonpfeifen.jpg


Die Schafferweine werden nach strengen Kriterien gemäß einem alten Reglement ausgewählt.
Nach dem Essen wird Tabak in traditioneller Weise aus Tonpfeifen geraucht

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