Der Frack saß zunächst...

Die Kapitänsschaffer tragen selbstverständlich ihre Kapitäns-Uniformen mit den vier goldenen Ärmelstreifen. Die drei kaufmännischen Schaffer tragen den Bürgerfrack aus schwarzem Tuch, eine weisse Weste und eine weisse Schleife. Nur die bereits geschafft haben, tragen zum Frack eine schwarze Weste und eine schwarze Schleife. Die Gäste tragen zum Frack, wie es üblich ist, die Weste und die Schleife weiss.
Orden werden übrigens nicht getragen. Es ist in der Hansestadt Bremen nicht üblich, Orden anzunehmen, infolgedessen können sie auch nicht getragen werden. In einem Brief an die Gäste heisst es: "Auswärtige Gäste pflegen mit Rücksicht hierauf auch ihrerseits bei der Schaffermahlzeit keine Orden anzulegen, obwohl dies natürlich nicht direkt untersagt sein kann." Der Brauch, den Frack auf der Schaffermahlzeit zu tragen, führt uns nicht - wie fast alles andere bei der Schaffermahlzeit - zurück bis in die Anfänge dieses altehrwürdigen Brudermahles. Denn damals gab es den Frack noch gar nicht.
Karl H. Schwebe hat in seinem Buch das Äussere eines Schaffers aus dem Jahre 1670 geschildert: Breitkrempiger schwarzer Schlapphut, ein über die Achsel geworfenes kurzes Mäntelchen, langschössiger, weitärmeliger Wams aus blauem Tuch, weite, kniefreie Schlumperhosen, weisse Strümpfe von feinster Seide, zierliche Halbschuhe mit mässig hohen Blockabsätzen, blütenweisses, spitzenbesetztes und am Ende zu bizarrer Schleife geschlungenes Halstuch und ebensolche Manchetten.
Wann zum ersten Male der Frack auf einer Schaffermahlzeit getragen wurde, wissen wir nicht genau. Noch im Jahre 1867 beherrschte der Gehrock die Szene.

Den Chronisten in späteren Jahren schien es offensichtlich zu unbedeutend zu sein, sich über die Kleidung der Herren auszulassen, gewiss von dem Gedanken ausgehend, dass es dem Publikum ziemlich gleichgültig sei, was die Herren bei diesem Brudermahl zu tragen pflegten. Man beschränkte sich darauf, von einem "glanzvollen Ereignis" zu reden, und da der Glanz eines Ereignisses stets bestimmt wird von der Kleidung der Teilnehmer, dürfen wir annehmen, dass sich der Frack Ende des 19. Jahrhunderts und mit Beginn des 20. Jahrhunderts nach und nach als die beherrschende Kleidung der Schaffer und ihrer Gäste durchgesetzt hat.
Dazu muss man sagen, dass sich der Frack aus einem Uniformrock entwickelt hat. In Kreisen der Offiziere Friedrich des Grossen, der von 1712 bis 1786 lebte, war es aus Gründen der Bequemlichkeit üblich, beim Aufsitzen die Rockschösse des langen, vorn durchgeknöpften Uniformrockes zurückzuschlagen und hinten festzustecken. Das hatte den unerwarteten Effekt, dass das bunte Rockfutter sichtbar wurde und der Rückenpartie der friderizianischen Offiziere ein farbenprächtiges Aussehen gab. Kein Wunder also, dass sich diese attraktive Art, den Reitrock zu tragen, im allen Armeen durchsetzte, schliesslich sogar bei den Infanteristen, die im Grunde gar keinen einleuchtenden Grund für hochgeklappte Rockschösse vorweisen konnten.

Es versteht sich, dass modebewusste Zivilisten mit einigem Ärger auf diese bunten Rückenansichten der Militärs blickten. Bereits im Jahre 1760 hielt der Frack seinen Einzug ins bürgerliche Lager, einfarbig zunächst und zur hellen Kniehose getragen.
Vierzehn Jahre später wurde aus dem einstmals forschen Militärkleid der Anzug eines ganz und gar unmilitärischen jugendlichen Schwärmers. Goethe veröffentlichte im Jahre 1774 die "Leiden des jungen Werther". Der junge Werther pflegte im blauen Frack mit Messingknöpfen und gelber Weste einherzuschreiten. Der blaue Frack mit gelber Weste beherrschte danach das Bild der Strasse.
In dieser Zeit mag der Name entstanden sein. Der Frack, französisch: frac, englisch: frock, kommt aus dem Lateinischen: floccus, die Flocke. Der Frack wurde ursprünglich aus flockigem Stoff geschnitten.
Die entscheidende Wandlung vom Strassenanzug des Bürgers und vom bunten Rock des Stutzers zum salonfähigen Kleid vollzog sich während der Französischen Revolution, als auch die Revolutionäre nicht mehr auf einen repräsentativen Anzug verzichten wollten. Ihr guter Anzug wurde - der Frack.  

Der Frack eroberte die Salons, und mit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Kniehose durch die lange Röhrenhose ersetzt. Während der Zeit des Biedermeiers in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts trug man den Frack zunächst farbig, blau, braun oder grün, und auch noch als Strassenanzug, wozu ein farblich ansprechendes Beinkleid gehörte.
Mehr und mehr jedoch verschwand der Frack von der Strasse, zog sich in die Salons zurück, wurde schwarz und im Laufe der Jahrzehnte - immer weniger zu sehen. Heute trägt man ihn kaum noch - in Bremen allerdings zur Schaffermahlzeit.