Frauen und die Schaffermahlzeit

Das war immer so: Frauen haben auf der Schaffermahlzeit des Hauses Seefahrt nichts zu suchen.
Oder doch?
Was soll diese Frage?

Die Anwesenheit der Damen führte sogar einmal zu Verstimmungen unter den Schaffern. So wurde im Jahre 1850 geklagt, es haben sich in einem nicht mehr zu duldendem Grade der Missbrauch eingeschlichen, dass "bei der Gelegenheit der grossen Schaffermahlzeit eine grosse Anzahl von Frauenzimmern in den grossen Vorzimmern sich einfänden und bewirten liessen, wodurch den Schaffern eine ungebührliche, mit der übrigen ja stets aus drücklich bewahrten Einfachheit dieses Festes unvereinbare Last erwachse".

Schaffermahlzeit 1910

Nun, man kennt die Bilder. Kurz vor Beginn der Schaffermahlzeit gehen die drei Schaffer in die Küche, um - wie es Sitte ist - das Essen zu probieren. Und wen treffen sie dort? Ihre Frauen, die natürlich auch einen fachkundigen Blick in die Töpfe werfen und sich einen Löffel geben lassen, um zu erkunden, ob auch alles richtig abgeschmeckt ist. Denn auf die Männer ist ja in dieser Hinsicht kein Verlass.

Und selbstverständlich wird auch für die Damen der Schaffer und Vorsteher eine Mahlzeit aufgetischt.

Man beschloss, künftig das Vorzimmer nicht mehr zur Bewirtung von Damen einzuräumen. Doch man hatte die Rechnung ohne die Frauen gemacht, und seit der Abhaltung der Mahlzeiten im Seefahrtshof gehört es zur unverbrüchlichen Tradition, dass für dreissig Damen gedeckt wird, von denen die drei kaufmännischen und sechs Schifferschaffer je drei und die Frauen des Hausverwalters zwei gebeten haben.

Kein Wunder also, dass die alten Kapitäne des Hauses Seefahrt etwas grantig werden, wenn man sie darauf anspricht, dass Frauen bei der Schaffermahlzeit nicht dabei sind. Die Kapitäne verstehen die Frage gar nicht.
"Nicht dabei?" fragen sie. "Die sind doch dabei - nur eben nicht bei der Mahlzeit, sondern nebenan, wo sie in aller Ruhe klönen können." Und hinterher, zum Tanzen auf dem Seefahrtsball, seien sie auch zugelassen.

Aber wenn nun einmal - manche Leute können ja taktlos fragen -, wenn nun einmal eine Frau zum Bundespräsidenten gewählt würde, was ja immerhin möglich sei? Sitzt die dann auch nebenan?

Bundespräsidenten sind bisher immer zu Schaffermahlzeiten eingeladen worden.

Die alten Kapitäne bringt das nicht aus ihrer Ruhe. "Wir sind", sagen sie, "nicht verpflichtet, einen Bundespräsidenten einzuladen. Das steht nirgends geschrieben."

Kritisch könnte es allerdings werden, wenn es einmal in Bremen eine Frau als Präsident des Senats gäbe, die mit ihrer Funktion zugleich "Hausherr" wäre im Rathaus, dem Schauplatz der Schaffermahlzeit. Es hat sich so ergeben, dass der Hausherr zum Essen eingeladen wird - und dann eine Frau?

Schaffermahlzeit 2015

Pressemitteilung

471. Bremer Schaffermahlzeit findet am 13. Februar 2015 statt. Gästeliste mit herausragenden Persönlichkeiten in Vorbereitung

Bremen, 15. Juli 2014: Das Haus Seefahrt hat beschlossen, für die 471. Schaffermahlzeit 2015 die Teilnahme von weiblichen Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik zu unterstützen. Der Beschluss sieht vor, verstärkt weibliche Führungspersönlichkeiten als Gäste einzuladen. Bereits im Jahr 2007 hat mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel ein weiblicher Gast an der Schaffermahlzeit teilgenommen. Wie für männliche Mitglieder und Gäste sieht die Schaffermahlzeit als Hommage an die traditionellen Werte auch für weibliche Mitglieder und Gäste eine Kleiderordnung vor. Kapitäninnen tragen wie ihre männlichen Kollegen eine Uniform, weibliche Gäste werden gebeten, ein langes schwarzes Abendkleid oder einen schwarzen Abendanzug zu tragen.

Für die 471. Schaffermahlzeit werden die fünf Vorsteher und die amtierenden drei Schaffer des Hauses Seefahrt Repräsentantinnen aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik als Gäste benennen. Wie immer muss es sich dabei um Führungspersönlichkeiten handeln, die nicht in Bremen wohnen und nicht den Mittelpunkt ihrer geschäftlichen Tätigkeit hier vor Ort haben, gleichwohl aber durch ihre Beziehungen zur Hansestadt den Standort Bremen stärken.

Die Mitglieder der Stiftung Haus Seefahrt werden als Schaffer bezeichnet. Zwei Jahre nachdem ein Kaufmann auf der Generalversammlung als kaufmännisches Mitglied in die Stiftung aufgenommen wurde, erhält dieser die Aufgabe, die Schaffermahlzeit auszurichten. In jedem Jahr übernehmen diese Aufgabe drei Schaffer gemeinsam. Im Jahr 2015 werden dieses Amt innehaben: Dr. Tim Nesemann, Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse Bremen AG (1. Schaffer), Dr. Klaus Meier, geschäftsführender Gesellschafter wpd windmanager GmbH & Co. KG (2. Schaffer) sowie Joachim Jürgens, geschäftsführender Gesellschafter OMNILAB GmbH & Co. KG (3. Schaffer).

Die Schaffermahlzeit in Bremen ist das älteste, sich alljährlich wiederholende Brudermahl der Welt. Diese Tradition symbolisiert die Verbindung zwischen der Schifffahrt und den Kaufleuten. Bei der Schaffermahlzeit werden Spenden gesammelt, die dem Zweck der Stiftung Haus Seefahrt zugute kommen: der Unterstützung von in Not geratenen Seeleuten und ihrer Hinterbliebenen sowie seit einigen Jahren auch der Förderung von Studentinnen und Studenten der Nautik.