Über die Schaffermahlzeit

... schnell erklärt

Wie alles begann

Die Schaffermahlzeit geht zurück auf Bremens Geschichte als Hafen- und Handelsstadt. Seit dem Beitritt zur Hanse im Jahr 1358 entwickelte sich Bremen zur bedeutenden Wirtschaftsmetropole des Nordwestens – mit eigener Handelsflotte, großen Reedereien und traditionsreichen Schiffbaubetrieben.

Aus dieser hanseatischen Kaufmannstradition entstand die Schaffermahlzeit: Ein jährlich stattfindendes gemeinsames Mahl, das Kaufleute, Kapitäne der STIFTUNG HAUS SEEFAHRT und geladene Gäste zusammenbringt – seit Jahrhunderten, bis heute.

Das Umfeld des Schaffermahls mag sich vielleicht in den vergangenen Jahrhunderten verändert haben. Aber eines ist geblieben: Das ist der soziale Zweck dieses Treffens – und das über Jahrhunderte..

Dr. Angela Merkel

Bundeskanzlerin

Die Zeremonie

Die Schaffermahlzeit folgt jahrhundertealten Regeln – und genau das macht ihren besonderen Charakter aus. Getragen wird die Veranstaltung von einem festlichen Rahmen: Männer im Frack, Kapitäne in Uniform und Frauen in langen schwarzen Abendkleidern versammeln sich in der Oberen Rathaushalle zum gemeinsamen Mahl.

Besonders ist auch der Gästekreis: Wer von außen eingeladen wird – häufig aus Wirtschaft, Wissenschaft oder Politik – darf nur ein einziges Mal teilnehmen. Eine Einladung gilt daher als hohe Ehre.

Das Essen

Ursprünglich begann die Schaffermahlzeit als einfaches Stockfisch-Essen. Heute ist daraus ein festliches Mehrgänge-Menü geworden – serviert in bewährter Reihenfolge an stilvoll gedeckten Tischen in der Oberen Rathaushalle.

Begleitet wird das Mahl von klugen, pointierten Reden – tiefgründig, aber nicht ohne Humor. So verbindet die Schaffermahlzeit kulinarischen Genuss mit hanseatischer Dialogkultur.

Den genauen Ablauf finden Sie hier.

Die Schaffermahlzeit

Am 2. Freitag im Februar findet in der Oberen Rathaushalle die Bremer Schaffermahlzeit statt – das älteste, bis heute jährlich begangene Freundschaftsmahl der Welt. Seit 1545 steht die Veranstaltung für den Schulterschluss zwischen Schifffahrt und Kaufmannschaft – „damit sie zu ewigen Tagen fest und unverbrüchlich gehalten werde“, wie es der Rat der Hansestadt Bremen einst formulierte.

Im Zentrum des Festmahls steht ein klares Ziel: Es werden Spenden gesammelt, die vollständig der STIFTUNG HAUS SEEFAHRT zugutekommen. Die Mittel fließen in die Unterstützung von in Not geratenen Seeleuten und ihren Angehörigen – sowie seit einigen Jahren auch in die Förderung von Nautik-Studierenden.

Rund je 100 seemännische und kaufmännische Mitglieder des HAUS SEEFAHRT, die aktuell schaffen oder bereits geschafft haben, nehmen an der Schaffermahlzeit teil. Hinzu kommen etwa 100 geladene Gäste aus Wirtschaft, Kultur, Politik und Verwaltung – mit einer Besonderheit: Sie dürfen nur ein einziges Mal im Leben teilnehmen. Eine Einladung gilt daher als besondere Ehre.

Es ist ein schöner Brauch gelebter Solidarität. Es ist ein Vorbild an solidarischer Eigenvorsorge für schlechte Zeiten und für diejenigen, mit denen es das Schicksal nicht so gut meint.

Bundespräsident Horst Köhler

über die Schaffermahlzeit

2026 – DIE 482. SCHAFFERMAHLZEIT

Schaffer der Kaufmannschaft

1. Schaffer Dirk Zeppenfeld
2. Schafferin Nadine Kloska
3. Schaffer Dirk Olaf Rogge

Schaffer der Schifferschaft

Kapitän Tim Nordmann
Kapitän Immo Lakmann
Kapitän Olaf Enno J. Linnemann
Kapitän Horst Müller
Kapitän Richard Chalhoub
Kapitän Lisa Brenneisen

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2025 – DIE 481. SCHAFFERMAHLZEIT

Schaffer der Kaufmannschaft

1. Schaffer Thorsten Rönner
2. Schaffer Julius Runge
3. Schaffer Alexander Schnitger

Schaffer der Schifferschaft

Kapitän Dirk Eberding
Kapitän Olaf Köberl
Kapitän Daniel-Philipp Riehl
Kapitän Frank Rolf Krämer
Kapitän Soeren Schmitz
Kapitän Oliver Richardt

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2024 – DIE 480. SCHAFFERMAHLZEIT

Schaffer der Kaufmannschaft

1. Schaffer Philip W. Herwig
2. Schafferin Dr. Heidi Armbruster-Domeyer
3. Schaffer Jan-Oliver Buhlmann

Schaffer der Schifferschaft

Kapitän Jan-Helge Janssen
Kapitän Roman Lehnhoff
Kapitän Jürgen Hamel
Kapitän Ulf Wolter
Kapitän Kai Oltmanns
Kapitän Gerd Stamm

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2023 – DIE 479. SCHAFFERMAHLZEIT

Schaffer der Kaufmannschaft

1. Schafferin Frau Janina Marahrens-Hashagen
2. Schaffer Jens Lütjen
3. Schaffer Dr. Christoph B. Klosterkemper

Schaffer der Schifferschaft

Kapitän Ulrich Werner Tetzlaff
Kapitän Jörn Haase
Kapitän John Peter Marcus
Kapitän Dennis Brand
Kapitän Johannes Reifig
Kapitän Frank Lehmann

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Ablauf und Zeitplan

Was einst als schlichtes Stockfisch-Essen begann, ist heute ein festliches Mahl mit klarer Struktur und gewachsenem Ritual. An festlich gedeckten Tafeln nehmen die Gäste Platz und erleben ein mehrgängiges Menü, das von ebenso klugen wie unterhaltsamen Reden begleitet wird – tiefgründig, aber nie humorlos.

Die Speisenfolge folgt dabei einer festen Ordnung, die seit Generationen unverändert geblieben ist. Im HAUS SEEFAHRT nennt man sie gern eine „einfache, altbremische Mahlzeit“ – schlicht im Ursprung, würdevoll im Rahmen.

1. Gang: Bremer Hühnersuppe

2. Gang: Stockfisch, Senfsauce, Salzkartoffeln

3. Gang: Seefahrtsbier

4. Gang: Braunkohl, Pinkel, Rauchfleisch, Maronen, Bratkartoffeln

5. Gang: Kalbsbraten, Selleriesalat, Katharinenpflaumen, gedämpfte Äpfel

6. Gang: Rigaer Butt, Sardellen, Wurst, Zunge, Chester- und Rahmkäse, Fruchtkorb

Eine Erläuterung zu den einzelnen Gerichten finden sie hier:

Ehrengäste seit 1952

2025Hendrik WüstMinisterpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen
2024Dr. Frank-Walter SteinmeierBundespräsident
2023Dr. Volker WissingBundesminister für Digitales und Verkehr
2020Peter AltmaierBundesminister für Wirtschaft und Energie
2019Michael KretschmerMinisterpräsident des Freistaates Sachsen
2018Olaf ScholzErster Bürgermeister von Hamburg
2017Alexander DobrindtBundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur
2016Dr. Frank-Walter SteinmeierBundesaußenminister
2015Dr. Ursula von der LeyenBundesministerin der Verteidigung
2014Dr. Jens WeidmannPräsident der Deutschen Bundesbank
2013Stanislaw TillichMinisterpräsident des Freistaates Sachsen
2012Prof. Dr. Norbert LammertPräsident des Deutschen Bundestages
2011Jean-Claude TrichetPräsident der Europäischen Zentralbank
2010Dr. Christian WulffNiedersächsischer Ministerpräsident
2009Prof. Dr. Horst KöhlerBundespräsident der Bundesrepublik Deutschland
2008Wolfgang SchneiderhanGeneralinspekteur der Bundeswehr
2007Dr. Angela MerkelBundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland
2006Jean Claude JunckerPremierminister des Großherzogtums Luxemburg
2006Günter VerheugenVizepräsident der Europäischen Kommission
2005Prof. Dr. Georg MilbradtMinisterpräsident des Freistaates Sachsen
2004Johannes RauBundespräsident der Bundesrepublik Deutschland
2003S. E. Claude MartinBotschafter der Republik Frankreich
2002Sigmar GabrielMinisterpräsident des Landes Niedersachsen
2001Dr. Edmund StoiberMinisterpräsident des Freistaat Bayern
2000Lennart MeriStaatspräsident der Republik Estland
1999Prof. Dr. Roman HerzogBundespräsident der Bundesrepublik Deutschland
1998John Christian KornblumBotschafter der Vereinigten Staaten von Amerika
1997Jacques SanterPräsident der Europäischen Kommission
1996Dr. Günter RexrodtBundesminister für Wirtschaft
1995Dr. Dr. h.c. Hans TietmeyerPräsident der Deutschen Bundesbank
1994Dr. Theo WaigelBundesminister der Finanzen
1993Dr. Martin BangemannVizepräsident der Kommission der Europäischen Gemeinschaften
1992Eberhard DiepgenRegierender Bürgermeister von Berlin
1991Rudolf SeitersBundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes
1990Jean-Pascal DelamurazVorsteher des Eidgenössisches Volkswirtschaftsdepartement, Bern
1989Hans-Dietrich GenscherBundesminister des Auswärtigen
1988Dr. Jürgen WarnkeBundesminister für Verkehr
1987Dr. Richard von WeizsäckerBundespräsident der Bundesrepublik Deutschland
1986Dr. h.c. Lothar SpäthMinisterpräsident des Landes Baden-Württemberg
1985Alexandre HayPräsident des Internationales Komitee vom Roten Kreuz
1984Dr. Helmut KohlBundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland
1983Otto EsserPräsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände
1982Karl Otto PöhlPräsident der Deutschen Bundesbank
1981Dr. jur. Otto Graf LambsdorfBundesminister für Wirtschaft
1980Prof. Dr. Karl CarstensBundespräsident der Bundesrepublik Deutschland
1979Dr. Ernst AlbrechtNiedersächsischer Ministerpräsident
1978Dr. Gaston ThornMinisterpräsident des Großherzogtums Luxemburg
1977Prof. Dr. Klaus MehnertOrdentlicher Professor emeritus der Politischen Wissenschaft, Aachen
1976Josef ErtelBundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
1975Walter ScheelBundespräsident der Bundesrepublik Deutschland
1974Dr. Hans FriderichsBundesminister für Wirtschaft
1973Dr. Martin Joseph HillenbrandBotschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in Deutschland
1972Dr. Hans-Jochen VogelOberbürgermeister München
1971Prof. Dr. Ing. Hans LeussinkBundesminister für Bildung und Wissenschaft
1970Dr. Dr. Gustav HeinemannBundespräsident der Bundesrepublik Deutschland
1969Ernst BendaBundesminister des Innern
1968Hans FilbingerMinisterpräsident
1968Georg LeberBundesminister für Verkehr
1967Herbert WehnerBundesminister für Gesamtdeutsche Fragen
1966Paul LückeBundesminister des Innern
1965Dr. Ewald BucherBundesminister für Justiz
1964Walter ScheelBundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit
1963Dr. Gerhard SchröderBundesminister des Auswärtigen
1962Prof. Dr. Carlo SchmidVizepräsident des Deutschen Bundestages
1961Dr. Dr. Eugen GerstenmaierPräsident des Deutschen Bundestages
1960Dr. Heinrich LübkeBundespräsident der Bundesrepublik Deutschland
1959Prof. Dipl. Ing. Dr. Siegfried BalkeBundesminister für Atomenergie und Wasserwirtschaft
1958Franz EtzelBundesminister der Finanzen
1957Dr. Heinrich von BrentanoBundesminister des Auswärtigen
1956Dr. Ing. Hans-Christoph SeebohmBundesminister für Verkehr
1955Prof. Dr. Theodor HeussPräsident der Bundesrepublik Deutschland
1954Dr. Konrad AdenauerBundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland
1953Prof. Dr. Ludwig ErhardMinister für Wirtschaft
1952Prof. Dr. Theodor HeussPräsident der Bundesrepublik Deutschland

Die Geschichte

der Schaffermahlzeit

Die Schaffermahlzeit ist heute weltbekannt – doch ihre Wurzeln reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Ursprünglich waren es einfache Zusammenkünfte der Schiffer im HAUS SEEFAHRT: zur Rechnungslegung, vor dem Auslaufen oder am Ende des Winters. Gegessen und getrunken wurde dabei selbstverständlich – aber stets auf eigene Kosten. Schon die Stiftungsurkunde von 1545 legt das fest:

… was dabei an Bier oder sonst verzehrt und vertrunken wird, das soll nicht zum Nachtheile und Schaden der Armen […] genommen werden …

Erst ab 1561 wurde es üblich, dass die Schaffer selbst zum Essen einluden – eine Geste der Verbundenheit und Gastfreundschaft. Mit der Zeit entwickelten sich die Einladungen zu einem festlichen Ritual, das im 17. und 18. Jahrhundert immer aufwendiger wurde. Der Wunsch, sich bei der Ausrichtung zu übertreffen, war groß – manchmal auch zu groß.

Bereits 1862 notierte der Chronist Johann Georg Kohl:

Und da Essen und Trinken für den Norddeutschen überhaupt ein glitschiges Terrain ist, so gedieh die Sache schon zu Anfang des 17. Jahrhunderts zu einer überflüssigen Größe.

Nicht alle sahen das Treiben mit Wohlwollen. Manche Bürger distanzierten sich – wie der Kaufmann Claus Mindermann, der sogar gelobte, niemals Schaffer werden zu wollen. Als er dennoch gewählt wurde, lehnte er ab, spendete aber großzügig: 14 Last Danziger Roggen und fünf Tonnen Bier.

Ein weiterer kritischer Geist war Bürgermeister Dr. Volchard Mindemann, der im 18. Jahrhundert versuchte, die Schaffermahlzeit ganz abzuschaffen – zugunsten der sogenannten Sklavenkasse, mit der man gefangene Seeleute freikaufte. Doch sein Vorhaben scheiterte am Widerstand der Bremer Kaufleute – und am tief verwurzelten Gemeinschaftsgeist des HAUS SEEFAHRT.

So blieb die Schaffermahlzeit nicht nur erhalten – sie wurde über die Jahrhunderte hinweg zum festen Bestandteil Bremer Identität. Und bis heute gilt: Das gemeinsame Mahl dient dem guten Zweck – ohne einen Cent aus der Armenkasse.